Analgosedierung unter Lokalanästhesie

Überdosierung sicher vermeiden

Über die sichere und effektive Patienten-kontrollierte Sedierung aus anästhesiologischer Sicht wird Prof. Dr. med. Thomas P. Weber, Bochum, auf der Cosmedica referieren.

Foto: privat
Prof. Dr. med. Thomas Weber

Die Steuerung der Analgosedierung von Patienten, die sich einem operativen Eingriff unter Lokalanästhesie unterziehen, ist auch für einen Anästhesisten immer wieder eine Herausforderung. Die Schwierigkeit besteht darin, die Patienten im Stadium 2 zu halten:
Ab dem Stadium 3 sollte entsprechend der Vorgaben der DGAI ein Anästhesist hinzugezogen werden. Da man zu jeder Zeit mit einem Stadium 3 rechnen muss, gelten selbstverständlich alle entsprechenden Vorgaben der DGAI. Die Patienten müssen dementsprechend nüchtern sein. Es muss eine obligate Aufklärung für das geplante Verfahren erfolgen. Der Einsatz des DGAI-Aufklärungsbogens ist hier ein sicherer Weg, wobei bei uns im Hause zu jeder Zeit ein Anästhesist hinzugezogen werden bzw. auch übernommen werden kann. Dies ist inzwischen sehr selten der Fall.


Patienten-kontrolliertes Sedierungsverfahren


Die Vermeidung einer zu tiefen Analgosedierung (= Stadium 3) wird am effektivsten durch die Zusammenarbeit mit dem Patienten erreicht. Dieses Prinzip ist das sogenannte Patienten-kontrollierte Sedierungsverfahren, was im angloamerikanischen Raum durch ein spezielles Lachgas-Sauerstoff-Gemisch (Entonox®) praktiziert wird. Hierbei fällt dem Patienten das Demand-Ventil aus dem Mund, sollte die individuelle Dosis erreicht sein. Die Sedierung wird somit durch den Patienten limitiert und eine Überdosierung vermieden. Leider ist das Lachgas-Sauerstoff-Gemisch nicht immer analgetisch ausreichend. Außerdem ist der Einsatz von medizinischen Gasen in geschlossenen Räumen nicht unproblematisch. In einer ähnlichen Weise werden in unserem Hause anstelle von Lachgas Propofol und Remifentanil eingesetzt (vorausgesetzt, die Vorgaben der DGAI sind erfüllt und alle Beteiligten wurden eingewiesen s.o.). Hierbei kann sich der Patient einen Bolus Propofol (0,2 mg/Kg KG) in Kombination mit einem Remifentanil-Bolus (0.1μg/Kg KG), der innerhalb von einer Minute appliziert wird, anfordern. (Es sind nur Bolusgaben möglich – Es darf kein Perfusor eingesetzt werden, sondern nur spezielle PCA-Pumpen.) Im Rahmen der Testphase ist jederzeit ein Anästhesist vor Ort. Es dürfen keine oralen Prämdikationstabletten oder sonstige Ko-Analgetika bzw. Sedativa verwendet werden!
Die Patienten erreichen auf diese Weise problemlos das Stadium 2. Das Stadium 3 wird nicht erreicht, da die Patienten zu somnolent sind, um erneut einen Bolus über die PCEA-Demand-Pumpe anzufordern, trotz fehlender Log-out-Time.


Individuell abgestimmte Sedierungsregime


Durch Einsatz eines Patienten-kontrollierten Sedierungskonzeptes können ärztliche Überdosierungen sicherer vermieden werden. Die interindividuelle und intraindividuelle Variationsbreite, mit der Patienten auf Sedativa reagieren, ist häufig unvorhersehbar. Aus diesem Grund erscheint es zielführend zu sein, individuell auf den Patienten abgestimmte Sedierungsregime zu etablieren und diese in Zukunft intensiv zu erforschen. Kooperationspartner werden hierfür gerne in unser Forschungsteam integriert.

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