Akne-Therapie

Spezial Akne: Was empfehlen die Leitlinien?

Prof. Dr. med. Klaus Degitz, München, wird in Frankenthal bei der Tagung Dermatologische Praxis einen Überblick über den aktuellen Stand der Akne-Therapie geben.

Foto: privat
Prof. Dr. med. Klaus Degitz

Akne ist die häufigste Hauterkrankung überhaupt. In den westlichen Industrienationen leiden etwa 80 Prozent aller Teenager an Akne, bei etwa einem Drittel der Betroffenen ist die Erkrankung behandlungsbedürftig. Aber auch nach dem 20. Lebensjahr kann Akne ein erhebliches therapeutisches Problem darstellen.
Die moderne Akne-Therapie berücksichtigt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und basiert auf dem Einsatz von pharmakologischen Substanzen, die in kontrollierten Studien ihre Wirksamkeit bewiesen haben. Die systematische Aufarbeitung des aktuellen Kenntnisstandes fand kürzlich ihren Niederschlag in der Veröffentlichung von Akne-Leitlinien: Die von DDG und BVDD initiierte deutsche Leitlinie wurden in einem formalen Konsensusverfahren (S2k) erarbeitet und mündete in Therapieempfehlungen für die verschiedenen Schweregrade der Akne sowie für aknebedingte Residualzustände.


Systematische Analyse veröffentlichter Studien


Die europäische Leitlinie entstand als systematische Analyse veröffentlichter Therapiestudien, unter denen lediglich solche Studien für Empfehlungen herangezogen wurden, die nach definierten Evidenzkriterien aussagekräftig sind (S3-Leitlinie).
Die wichtigsten topischen pharmakologischen Substanzen sind Benzoylperoxid, topische Retinoide, Azelainsäure und topische Antibiotika. Zur Prävention von Antibiotikaresistenzen sollten Antibiotika nicht als Monotherapie eingesetzt werden. Zur systemischen Behandlung empfohlen werden Isotretinoin – als wirksamstes Therapeutikum – sowie systemische Antiandrogene und Tetrazykline. Letztere wirken nicht nur antimikrobiell, sondern zusätzlich antiinflammatorisch.


Kombination von Substanzen erhöht die Effektivität


Die Kombination von Substanzen, die an unterschiedlichen pathophysiologischen Faktoren ansetzen, erhöht die Effektivität der Behandlung. Bei adäquater Dosierung und Anwendungsdauer werden selbst bei schweren Akne-Manifestationen innerhalb weniger Monate gute Therapieerfolge erzielt. Im Gegenzug sollte alles vermieden werden, was den Behandlungserfolg gefährdet, zum Beispiel eine zu kurze Therapiezeit oder zu niedrige Dosierungen.
Akne wird immer mehr als chronische Erkrankung wahrgenommen, die ein langfristiges therapeutisches Management erfordert. Vor diesem Hintergrund berücksichtigen die Leitlinien neben der Initialbehandlung der Akne (Induktionstherapie) auch die Erhaltungstherapie sowie Strategien der Verbesserung der Medikamentenadhärenz. Begleitende dermatokosmetische Maßnahmen (manuelle Therapie, Peelingverfahren) können gemäß der deutschen Leitlinie als begleitender Bestandteil der Akne-Therapie empfohlen werden.


Empfehlungen zu Reinigung und Pflege


Die deutsche Leitlinie gibt auch Empfehlungen zu Reinigung und Pflege: Zur Hautreinigung können seifenfreie Reinigungsmittel (Syndets) mit physiologischem pH-Wert empfohlen werden. Zur Hautpflege können hydrophile Systeme, Öl-in-Wasser-Emulsionen oder Hydrogele empfohlen werden. Als sinnvolle Bestandteile von Pflegeprodukten für die zu Akne neigende Haut gelten die keratolytische Salicylsäure und andere β-Hydroxysäuren, z.B. β-Lipohydroxysäure (LHA) sowie ɑ-Hydroxysäuren wie Glykolsäure. Komedogene Zubereitungen dürfen nicht angewendet werden. Dekorative Kosmetik (medizinische Camouflage) kann empfohlen werden.


Therapeutische Ergänzung: elektromagnetische Strahlen


Eine weitere mögliche therapeutische Ergänzung stellen elektromagnetische Strahlen dar. Sichtbares Licht (insbesondere blaue Wellenlängen) scheint zur Therapie leichter bis mittelschwerer entzündlicher Akne geeignet zu sein. UV-Therapie kann nicht mehr empfohlen werden. Der Stellenwert von Blitzlampen oder Lasern ist derzeit unklar.

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