ERC-Grant

Forschungsgeld gegen Brandnarben

Große Auszeichnung für Prof. Dr. med. Ursula Mirastschijski: Der European
Research Council und die VolkswagenStiftung fördern ihr Wundheilungsprojekt
für eine neuartige Therapie gegen Narbenbildung nach Brandverletzungen.

Prof. Dr. med. Dr. phil.  Ursula Mirastschijski (Foto: privat)
Prof. Dr. med. Dr. phil. Ursula Mirastschijski (Foto: privat)

Menschen mit schweren Hautverbrennungen sind durch zurückbleibende Narben lebenslang gezeichnet. Am Centrum für Biomolekulare Interaktionen der Universität Bremen hat Prof. Dr. med. Dr. phil. Ursula Mirastschijski mit ihrer Arbeitsgruppe eine neuartige Therapie entwickelt, die diese Narbenbildungen in Zukunft verhindern soll. Der Europäische Forschungsrat (ERC) hat ihr Projekt bereits in den vergangenen Jahren mit einem ERC-Starting Grant mit 1,3 Millionen Euro gefördert. Seit dem 1. März 2016 setzt er seine Unterstützung für ein weiteres Jahr mit einem sogenannten Proof of Concept Grant über 150.000 Euro fort.

 

Substanz in der Lunge ermöglicht neue Therapie gegen Brandnarben


Für die neu entwickelte Therapie zur Vorbeugung gegen Brandnarben nutzen Mirastschijski und ihr Team eine Substanz, die in der Lunge produziert wird: das sogenannte Lungensurfaktant. Es benetzt die Oberfläche der Lunge und verhindert, dass sie beim Ausatmen kollabiert. Von Geburt an produzieren Menschen diese Substanz ganz automatisch. Bei zu früh geborenen, unreifen Babys wird sie in die Lunge gespritzt, um die Atmung zu erleichtern. Die Forscherin fand mit ihrem Team heraus, dass diese Substanz entzündungshemmend und wundheilungsfördernd wirkt. „Warum sollte sie nicht auch auf der Haut bei Brandwunden wirken?“, fragte sie sich. Die ersten Forschungsjahre des Projekts SUMOWO (A Surface modulation of Wounds: heal by inhalants! Novel drug-based treatment for excessive scars and chronic wounds) verliefen erfolgreich. Mit den weiteren Fördergeldern hat die Wissenschaftlerin und Plastische Chirurgin am Klinikum Bremen-Mitte die Möglichkeit, die neu entwickelte Therapie in klinischen Studien zu testen. Dafür werden gesunde Probanden für Hauttests gesucht. „Sie sind ungefährlich und schmerzlos“, betont die Wissenschaftlerin. Interessierte wenden sich per E-Mail an: ursula.mirastschijski@
klinikum-bremen-mitte.de.


Vierter ERC-Grant für Forscherinnen des Fachbereichs


ERC-Grants gehören zu den europaweit profiliertesten und begehrtesten Ausschreibungen für Forscherinnen und Forscher. Das Besondere an der Universität Bremen: Neben Mirastschijski gibt es am Fachbereich Biologie/Chemie jetzt mit Prof. Dr. Katrin Mädler, Ph.D., und Prof. Dr. Rita Groß-Hardt, Ph.D., drei Professorinnen, die mit insgesamt vier ERC-Grants ausgezeichnet wurden. „Es verdeutlicht das hohe Niveau der molekularbiologischen Forschung und die nachhaltige Gleichstellungspolitik der Universität Bremen“, so die Forscherin. „Ich bin froh, an diesem Standort wissenschaftlich zu arbeiten.“ Sie habe in den Laboren optimale Bedingungen und Unterstützung für ihre Arbeit. Flache Hierarchien ermöglichen eine unkomplizierte und gute interdisziplinäre Zusammenarbeit auf kurzen Wegen und schaffen Freiräume für innovative Ideen. „Das ist einzigartig“, so Mirastschijski.


VolkswagenStiftung fördert weiteres innovatives Wundheilungsprojekt


Auch für ein weiteres Konzept in der Wundheilung kann sich Mirastschijski über eine Förderung freuen: So unterstützt die VolkswagenStiftung sie im Rahmen ihrer Förderinitiative „Experiment“ mit 100.000 Euro. In dem Kooperationsprojekt wollen die Wissenschaftlerin und ihre Projektpartner menschliche Hautzellen so verändern, dass sie selbst Sauerstoff produzieren, um die Heilung chronischer Wunden zu fördern. „Vor Jahrmillionen haben Pflanzen die Fähigkeit der Photosynthese, also der Sauerstoffgewinnung durch Lichteinstrahlung, erworben“, erläutert Mirastschijski. „Was liegt also näher, als diese Möglichkeit der Sauerstoffproduktion für Wunden zu nutzen?“
In dem Projekt arbeitet die Wissenschaftlerin mit Prof. Dr.-Ing. Michael Vellekoop vom Institut für Mikrosensoren, -aktuatoren und -systeme (IMSAS) des Fachbereichs Physik/Elektrotechnik der Uni Bremen zusammen sowie mit Prof. Dr. Anya Waite, Ph.D., vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Vellekoop entwickelt hierfür Mikrosensoren zur Sauerstoffmessung. Waite bringt ihre Expertise in der Ozeanologie in das Projekt ein.


Kooperation zwischen Universität und Klinikum Bremen-Mitte


Mirastschijski kam 2013 mit ihrer Arbeitsgruppe „Wound Repair Unit“ von der Medizinischen Hochschule Hannover an die Uni Bremen. Zudem arbeitet sie seit 2012 als Plastische Chirurgin am Klinikum Bremen-Mitte und ist Oberärztin an der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie.
„Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Universität und Klinik macht diese angewandte Forschung erst möglich“, sagt Mirastschijski.
Professorin Ursula Mirastschijski hat ihr Medizinstudium an der Universität Ulm absolviert, wo sie ebenfalls promovierte. Nach klinischen Auslandsaufenthalten in Schweden und Dänemark mit erfolgreichem Abschluss des Ph.D.-Studiums wurde sie zur Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und der Medizinischen Hochschule Hannover ausgebildet. Dort habilitierte sie 2010 und wurde 2015 zur Professorin ernannt. Als Professorin lehrt sie weiterhin an der Medizinischen Hochschule Hannover und am Klinikum Bremen-Mitte.

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