Biomarker für die Vorhersage

Neue Studie Auch bei einer Untergruppe von Nichtallergikern treten im Frühjahr Symptome in der Nase auf, die auf den Kontakt mit Pollen zurückzuführen sind. Die Stärke der Symptome kann durch Biomarker in der Nase bereits vor Beginn der Pollensaison vorhergesagt werden.

Biomarker können Symptome im Vorhinein entdecken. (Foto: Frank – AdobeStock)
Biomarker können Symptome im Vorhinein entdecken. (Foto: Frank – AdobeStock)

Der Kontakt mit Pollen führt bei Allergikern zu Symptomen wie Niesen, Schnupfen und tränenden Augen. Was so trivial klingt, ist jedoch ein komplexer Zusammenhang physiologischer Prozesse. Noch sind diese nicht ausreichend erforscht, um die Entwicklung von Allergien und die Auslöser der Symptome umfassend zu verstehen. Eine Forschungsgruppe unter Leitung des Instituts für Umweltmedizin am Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München (Forschungsverbund UNIKA-T) untersuchte Probanden mit durch Pollen ausgelöster allergischer Rhinitis sowie Nichtallergiker über den Zeitraum eines Jahres. Neben Ausfüllen eines täglichen Online-Symptomtagebuches wurden Blutproben und Nasenabstriche entnommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen die Immunvariablen (Zytokine, Chemokine und pollenspezifische Immunglobuline) im Serum und im Nasensekret während und außerhalb der Pollensaison.

 

„Durch die Vorhersagbarkeit der Schwere der nasalen Symptome könnten wir diejenigen Erkrankten besser ausfindig machen, die am meisten von einer Behandlung der Ursachen profitieren. Biomarker könnten helfen, um bei Nichtallergikern den Prozess der Allergieentwicklung verstehen und so letztlich verhindern zu können.“

 

Dabei identifizierten sie die in der Nase befindlichen körpereigenen Botenstoffe IL-8 und IL-33 sowie die Antikörper sIgG4 und sIgE als Biomarker, also als messbare Merkmale mit Aussagekraft für biologische Prozesse. Diese Biomarker zeigen eine signifikante Korrelation mit pollenspezifischen Symp­tomen in der Nase (nachgewiesen über Spearman’schen Rangkorrelationskoeffizienten), womit ihr Vorhandensein und ihre Ausprägung zur Vorhersage der Stärke der Symptome genutzt werden können. Dies ist unabhängig von einer genetischen Allergiedisposition und auch bereits vor Beginn der Pollensaison sowohl bei Allergikern als auch Nichtallergikern möglich. Mehmet Gökkaya, Wissenschaftler am UNIKA-T und Erstautor der Studie: „Die Identifikation von Biomarkern hilft uns in drei wesentlichen Punkten. Durch die Vorhersagbarkeit der Schwere der nasalen Symptome könnten wir diejenigen Erkrankten besser ausfindig machen, die am meisten von einer Behandlung der Krankheitsursachen profitieren. Zweitens könnten Biomarker helfen, um bei Nichtallergikern den Prozess der Allergieentwicklung verstehen und so letztlich verhindern zu können. Und drittens könnten wir mit Biomarkern diejenigen physiologischen Prozesse identifizieren, die die Krankheitssymptome im Ursprung hervorrufen. Dies wäre ein möglicher Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Medikamente.“                                                  |  ve

 

Originalpublikation:
Gökkaya et al., 2020: Defining biomarkers to predict symptoms in allergic and non-allergic subjects under natural pollen exposure. Journal of Allergy and Clinical Immunology, DOI: 10.1016/j.jaci.2020.02.037

Kontakt
PD Dr. med. Stefanie Gilles
Leiterin des Fachbereiches "Umwelt-Immunologie"
Universitäres Zentrum für Gesundheitswissenschaften
am Klinikum Augsburg – UNIKA-T
Neusässer Straße 47
86156 Augsburg
Tel.: 08 21 – 5 98 64 12
Fax: 08 21 – 5 98 64 22

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