Therapie der Acne vulgaris

Rationaler Umgang mit Antibiotika gefordert

Der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika minimiert deren Wirkung durch Begünstigung von Resistenzen und führt dazu, dass Infektionskrankheiten zunehmend nicht mehr mittels Antibiotika behandelbar sind.

Das Expertenteam: (v. l. n. r.): Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, Prof. Dr. med. Harald Gollnick, Prof. Dr. med. Stefan Beissert, Prof. Dr. med. Jan Buer (Foto: Galderma Deutschland)
Das Expertenteam: (v. l. n. r.): Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, Prof. Dr. med. Harald Gollnick, Prof. Dr. med. Stefan Beissert, Prof. Dr. med. Jan Buer (Foto: Galderma Deutschland)

Im Rahmen eines von Galderma Deutschland unterstützten Expertenworkshops diskutierten Vertreter der Dermatologie und Mikrobiologie den rationalen und leitliniengerechten Umgang mit Antibiotika in der Aknetherapie. Die aktuellen Zahlen der WHO zu Antibiotikaresistenzen im Allgemeinen sind alarmierend, so die einhellige Meinung der Experten beim Expertenworkshop in Berlin. Die Fakten sprechen für sich: In fünf von sechs WHO-Regionen liegen beispielsweise die Resistenzraten des Bakteriums Staphylococcus aureus gegen Methicillin (MRSA) bei über 50 %. „Wenn es uns nicht gelingt, das Problem auch vonseiten der Dermato-Venerologie zu kontrollieren, bewegen wir uns auf die von der WHO beschriebene post-antibiotische Ära zu“, erklärte Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, Münster, in Berlin. Europäische Daten bestätigen diese Einschätzung. Insbesondere multiresistente Klebsiellen nehmen in Europa in den letzten Jahren zu. Zudem habe sich der zunächst beobachtete Rückgang der MRSA-Quoten in den Jahren vor 2010 nicht im gleichen Maße fortgesetzt, so Sunderkötter. Die auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes eingerichtete Kommission ART (Antiinfektiva, Resistenz und Therapie) beim Robert Koch-Institut fordere daher beim Einsatz von Antibiotika eine medizinisch-epidemiologische Nutzen-Risiko-Abwägung zwischen dem individuellen Interesse an einer wirksamen Behandlung und dem öffentlichen Interesse an einer Erhaltung der Wirksamkeit von Antiinfektiva.
Einen großen Anteil an der Entstehung von Resistenzen habe der unsachgemäße Einsatz von Antibiotika. Dies gelte im Allgemeinen für die Humanmedizin und im Speziellen auch für den topischen Einsatz von Antibiotika bei Hauterkrankungen, so Prof. Dr. med. Jan Buer, Essen. Die Folge: „Eine Vermehrung resistenter Keime auf der Haut und als Kollateralschaden für das Mikrobiom des Nasen-/Rachenraums“, so der Mikrobiologe. Gemäß Leitlinien sei bei der Akne daher lediglich die zeitlich eng befristete systemische Antibiotikatherapie eine Therapieoption, die allerdings Patienten mit schweren Formen der Erkrankung bzw. bei Brust-/Rückenbeteiligung vorbehalten bleiben sollte, erklärte dazu Prof. Dr. med. Stefan Beissert, Dresden. Aus seiner Sicht solle entsprechend der Empfehlungen der deutschen Akne-Leitlinie und der bestehenden Studienlage die systemische Antibiotikatherapie durch eine langfristige Erhaltungstherapie mit Retinoiden und optional BPO ersetzt werden. Leider werden bei Patienten mit Acne vulgaris in der Primärtherapie weltweit immer noch zu einem hohen Prozentsatz topische Antibiotika verordnet, schilderte Prof. Dr med. Harald Gollnick, Magdeburg. „Dies führt dazu, dass sich bei einzelnen Patienten resistente Propionibacterium acnes (P. acnes) und im Follikelausgang resistente Staphylococcus aureus (S. aureus) entwickeln, was die Therapie der Erkrankung letztlich erschwere, aber auch die anderer Infektionen“, so der Akne-Experte. Aufbauend auf Erkenntnissen zur Pathogenese werde die Acne vulgaris als multifaktorielle, chronisch-entzündliche Erkrankung angesehen, bei der mehrere pathogenetische Faktoren zusammenkommen. Eine langfristig wirksame Therapie sollte daher die Faktoren gleichermaßen angreifen, erklärte Gollnick und betonte: „P. acnes ist kein Auslöser, sondern lediglich ein Trigger der Aknesymptomatik.“
Insgesamt werde der Einfluss der ambulanten Medizin auf die Resistenzsituation noch immer unterschätzt, betonte auch Buer: „Der 10-Punkte-Plan des Bundesgesundheitsministeriums zur Bekämpfung resistenter Erreger zielt vor allem auf Kliniken und greift damit zu kurz.“ Nötig seien vielmehr Strategien, die auch im ambulanten Bereich einen rationalen, leitlinienkonformen Einsatz von Antibiotika sichern. Wenn dies gelinge, erklärte Buer, dann sei aus mikrobiologischer Sicht damit zu rechnen, dass sich die Resistenzsituation schrittweise verbessere.
Neben der individuellen Ebene der Patienten sollten Ärzte daher immer auch das öffentliche Interesse am Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika im Auge behalten, so die übereinstimmende Meinung der Experten. Damit gelte die Pflicht zu einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung beim Antibiotikaeinsatz auch für Dermatologen. Mit dem Ziel, langfristig zu einer rationalen, leitliniengerechten Aknetherapie beizutragen, wurden die Ergebnisse des Expertenworkshops in einem Thesenpapier zusammengefasst.
Das Positionspapier mit den Thesen finden Sie unter www.akne-plattform.de.

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