Gastkommentar

Auf ein Neues!

Im Gastkommentar dieser Ausgabe von DERMAforum macht sich Karl Adler, gesundheitspolitischer Sprecher der Dermatika-Unternehmen, Gedanken, wie es mit der Gesundheitspolitik unter dem neuen Gesundheitsminister weitergeht.

Foto: privat
Karl Adler: „Ich wünsche unserem neuen Gesundheitsminister Weitblick und Augenmaß bei seinen Stellschraubendrehungen; so könnte er nachhaltig anerkennenswert Positives leisten!“

Wechsel jedweder Art sind Anlässe zu frischen Hoffnungen, zu neuen Chancen und zu guten Wünschen.
Unter dieser Prämisse wünsche ich unserem neuen Bundesgesundheitsminister Gröhe – obwohl er noch nicht über das Detailwissen zu unserem komplexen Gesundheitswesen verfügt – zum Wohle aller Bürger unseres Landes eine erfolgreiche Amtszeit. Seine Ausgangssituation gibt ihm die Chance, dass er weitgehend objektiv und unideologisiert handeln könnte, vorausgesetzt, er lässt sich nicht kasseninfiltrieren, was einer starken Persönlichkeit bedarf, ist doch die Amtsebene seines Ministeriums seit Ulla Schmidt mit entsprechenden Seilschaften durchsetzt. Auch insofern sehe ich ihn als Hoffnungsträger. Ich hoffe, Minister Gröhe wird mehr Weitblick in Gesundheitsreformgesetzgebungen offenbaren, als wir es in den vergangenen Jahren erfahren mussten, in denen allzu oft nicht beachtet wurde, welche „Kollateralschäden“ entstehen können, wenn an einer Stellschraube unseres verzahnt ineinandergreifenden Gesundheitswesens gedreht wird. Leider wurden bisher nur wenige der Weitblick entbehrenden Fehljustierungen in Folgegesetzen teilweise mehr oder weniger – in sogenannten „Omnibusverfahren“ – versteckt, zurückgedreht oder modifiziert. Peinlich genug, insbesondere auch deswegen, weil bei weiteren Gesetzgebungen ebenfalls Beratungsresistenz dominierte, Expertenvorwarnungen negiert wurden.


Mannigfache Erfordernisse sinnvoll korrigierendenm Eingreifens


Mannigfach sind die Erfordernisse sinnvoll korrigierenden Eingreifens durch unseren neuen Minister. Ein Beispiel: „Anerkennenswert“ erfolgreicher Kassenlobbyismus hat u.a. zur viel zu kurz gedachten gesetzlichen „Schraubendrehung“ geführt, nach der Apotheker verpflichtet wurden, die billigsten Rabattvertragsarzneimittel abgeben zu müssen.
Billigend werden Patienten seitdem zweifelhafte Medikamentenqualität, selbst Arzneimittelfälschungen sowie die vielfach beschriebenen massiven Adhärenzprobleme (Compliance) zugemutet.
Mehr noch: Als weitere Folgen dieser lediglich auf kurzfristige und kurzsichtige Kostenminimierung ausgerichteten Gesetzgebung weise ich auch auf folgende Fehlentwicklungen hin: Es wurden Arzneimittelversorgungsrisiken dadurch provoziert, dass wir nun weitgehend von Arzneimittelbelieferungen aus Fernost abhängig sind – bei Antibiotika sogar vollständig! Mir ist erheblich unwohl dabei: Geht es Ihnen auch so?
Zudem wurden durch die hausgemachte (!) Verlagerung nach Fernost wirtschaftspolitisch relevante „Kollateralschäden“ provoziert, die mittelständischen deutschen Pharmaunternehmen die Innovationsfähigkeit und damit deren Existenzgrundlage entziehen.
Hautnah erfahren wir, wie auch ein Dermatika-Traditionsunternehmen nach dem anderen vom Markt verschwindet. Ich frage mich: Sind solche durch unsere Volksvertreter initiierten Entwicklungen wirklich im Sinne für uns Bürger, im Sinne unseres Wirtschaftsgefüges, unseres Gesundheitssystems, unseres Landes? Leider hat Herr Gröhe bereits als erste – ganz sicher kontraproduktiv wirkende – gesetzgeberische „kassengetriebene“ Amtshandlung das seit 2010 bestehende Preismoratorium für Arzneimittel unbefristet verlängern lassen, ebenso die Zwangsrabatte, die Ende 2013 auslaufen sollten. Das wird das Aus für weitere Arzneimittel-Mittelständler beschleunigen. Deutschland, einst „Apotheke der Welt“, wurde und wird mit Kassenassistenz durch die Politik zugrunde gerichtet!
Darf ich die Frage stellen: Wie wollen unsere Volksvertreter künftig die „Rettungsschirme“ für andere Länder finanzieren, wenn sie die dafür zahlenden deutschen Unternehmen strangulieren?
Was bei Medikamenten gerade durchgezogen wurde, soll nach kassenideologischen Folgeschritten auch für Leistungserbringer im Gesundheitswesen modellhaft sein. Da kann ich bei den Erfahrungen im Arzneimittelbereich nur zum „Cave !!!“ sensibilisieren.


Weitblick und Augenmaß erforderlich


Ich wünsche unserem neuen Gesundheitsminister Weitblick und Augenmaß bei seinen Stellschraubendrehungen; so könnte er nachhaltig anerkennenswert Positives leisten!
Überzogene Kostenschraubendrehungen würgen die Qualität ab! Diese doch eigentlich allseits bekannt sein müssende Gesetzmäßigkeit, also „Binsenweisheit!“ zu beachten, wäre bereits ein großer Fortschritt im Hinblick auf weitere Entscheidungen zur sinnvollen Zukunftsfähigmachung unseres Gesundheitssystems, auch unter Beachtung der demographiebedingten Herausforderungen.
Qualität ist in der Regel das bessere Rezept als eine „Geiz ist geil“-Mentalität – und damit langfristig auch kostenbewusster, zumal wenn es um unsere Gesundheit geht, also um „unser höchstes Gut“!
Ich frage: Wann sind Kassen und politische Entscheider fähig und bereit, langfristig und folgenbeachtensorientiert zu entscheiden und nicht nur in Legislaturperioden mit letztlich häufig schädigenden Langzeitauswirkungen auf unterschiedlichen Ebenen?
Wir können gespannt darauf sein, ob unser neuer Bundesgesundheitsminister entsprechend handeln und die damit verbundenen Chancen nutzen wird. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, Herr Bundesminister Gröhe, hoffnungsvoll und zuversichtlich (noch!): Machen Sie’s gut! Machen Sie’s besser!... Sie haben es nun in der Hand!

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